Bergbaulehrpfad – Schmelzhütten

Unmittelbar nach den ersten Gruben entstanden auch die ersten Schmelzhütten. Ursprünglich war das Ausschmelzen und Umschmelzen des Silbers technisch so einfach, dass man dazu wohl nur kleine Hütten mit primitiver technischer Ausstattung unmittelbar neben den Gruben errichtete.

Auf der ersten Chursächsischen Landesaufnahme (1586-1633) finden sich im unseren Bereich der Freiberger Mulde zahlreiche Hüttenstandorte. In der Nähe der heutigen Muldenbrücke Stand die 1550 erstmals erwähnte Röhlings Hütte. Genauere Informationen zu Gründung, Größe etc. gibt es nicht. Ihr Standort wurde auf der Karte mit „ein Hütt gestanden“ vermerkt, ein Hinweis dass sie zum Zeitpunkt der Kartierung schon nicht mehr betrieben wurde.

Im 14. bis 17. Jahrhundert, also gegen Ende der ersten und in der zweiten Hauptperiode des Freiberger Bergbaus, wurden Schmelzhütten – oder richtiger die Standorte zum Bau von Hütten – dem noch herrschenden Lehnsystem gemäß mit Privilegien des Landesherren verliehen *1).

Zur Verhüttung der neuen ärmeren Erze benötigte man leistungsfähigere Öfen und Gebläse. Für letztere war der Antrieb mit Wasserrädern erforderlich. *2) Die Erze aus dem Erdinneren hatten noch keinen Wert, nur mit Hilfe des Hüttenmannes konnten die darin enthaltenen Metalle rein dargestellt werden. Der Hüttenmann übernahm die Aufgabe, die mechanisch gereinigten, gepochten Erze nach den darin enthaltenen Metallen durch Feuer zu scheiden. So entstanden auch in unserem Bergrevier kleinere Schmelzhütten, die nie an die Bedeutung der Freiberger und Muldenhüttener Schmelzöfen heranreichten.

Unterhalb der Rosine, linksseitig der Mulde steht ein einsames Häuschen. Es steht auf einer Schlackenhalde, die jetzt mit Mutterboden überdeckt ist. Bei genauerem Hinschauen sieht man jedoch noch überall Schlackensteine. Diese stammen von der „Hütte des kleinen Erzkaufs“, die auch den Namen „Teichhütte“ führte. Sie wurde 1583 gegründet und war bis 1710 in Betrieb. In ihr wurden in erster Linie arme Erze ausgeschmolzen. Das eben erwähnte Gebäude dürfte aber erst 1789 von der Tuchmacherinnung gebaut worden sein. Diese hatte hier eine Zeit lang eine Tuchwalke errichtet und benutzt dafür das Teich- oder Muldenwasser.

In der Muldenaue unterhalb des Rosinenhäuschens ist außerdem eine Zinnhütte betrieben worden. Ihr Standort ist jedoch nicht mehr zu ermitteln. Sie war ein unbedeutendes Unternehmen, wurde 1700 errichtet und schmolz bis 1707 nur wenige Zentner aus.

*1) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 75
*2) ebenda

Der Wernergraben 1827 – 1860

Geschichtliches zur Entstehung

Vor 155 Jahren wurde dieses für den damaligen Bergbau bedeutende Bauwerk fertiggestellt. Nur eine kleine Seitenstraße in unserem Dorf und einige intakte Grabenmauern mit einer Wegüberführung am Ortsausgang erinnern noch an diese wassertechnische Einrichtung auf unserer Flur. Dabei ist die Bezeichnung Werner Stolln gleichermaßen zutreffend, denn Gräben und Röschen bestimmten die 4,5 km lange Wasserleitung von Weißenborn nach Freiberg. Benannt wurde sie nach dem bekannten Mineralogen Abraham Gottlob Werner (1749 – 1817), der sich neben seiner Lehr- und Forschungstätigkeit an der Bergakademie auch mit der „Aufschlagswasser-Oecconomie“ im Bergamtsrevier beschäftigte.

Bild: Lutz Mitka, die rote Linie zeigt den Verlauf des Wernergrabens ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Bild: Lutz Mitka, die rote Linie zeigt den Verlauf des Wernergrabens

Ende des 18., aber mit Beginn des 19. Jahrhunderts, erlangte die Wasserversorgung für die Bergwerksgruben eine existenzielle Bedeutung. Es gab in jener Zeit ein Sprichwort: „War der Sommer heiß und trocken – sind die Gruben abgesoffen“. Was sich wie ein Widerspruch anhört, hatte seine tiefe Bedeutung. Nur mithilfe der Wasserkraft war es möglich, das sich in der Tiefe ansammelnde Grundwasser abzupumpen und die Gruben für den Bergmann frei zu halten. Ein solches trockenes Jahr muss 1826 gewesen sein. L. R. Förster schreibt dazu: „Es waren in Folge lang anhaltender Trockenheit die Aufschlagswasser der Freiberger Gruben so geschwächt, dass durch das allseitige Aufgehen der Grundwasser Hunderte von Bergarbeitern feirig (arbeitslos) geworden worden waren“. Die Zeit drängte, die Grube Neuer Morgenstern Erbstolln und die Muldner Schmelzhütte benötigten dringend die Wasserkraft und andererseits mussten die Bergleute wieder beschäftigt werden. Der ursprüngliche Plan, vom Berthelsdorfer Mühlenwehr Wasser abzuleiten, wurde verworfen. L. R. Förster schreibt dazu: „… die Muldenwasser durch ein Wehr bei der Weißenborner Brücke zu fassen, mittels eines Grabens bis in die Gegend des Walkteiches zu führen und dann einzuröschen, bei der Kohlenstraße wieder zu Tage ausgehen zu lassen, wurde der Vorzug gegeben“.

 

Die Rösche wurde in den Berg getrieben

Foto: Das gut erhaltene Mundloch an der Kohlenstraße, Wolfgang Göhler ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Foto: Das gut erhaltene Mundloch an der Kohlenstraße, Wolfgang Göhler

„Auf höchstes Rescript (Rückmeldung/Bestätigung) vom 5.December 1826 wurde dem Plan der Ableitung der Muldenwasser von der Weißenborner Brücke aus, der Vorzug gegeben und selbiger beschlossen“. Sogleich wurde im Frühjahr 1827 mit der Ausführung des Projektes begonnen. Zunächst wurde mit dem Durchbruch durch den Rosinenberg die Rösche in Angriff genommen. Diese Arbeit konnte nur von Bergleuten ausgeführt werden und so schaffte man für diese teilweise Beschäftigung. Mit Ort und Gegenort wurde der Durchbruch begonnen. Die Belegung vor jedem Ort betrug 6 oder 8, zuweilen auch 12 Mann. Im Jahre 1839, also nach 12 Jahren und 36 Wochen gelang der Durchschlag der beiden „Oerter bei einer Gesamtlänge von 454 Lachter“.

Entstanden war eine Rösche mit beachtlichen Maßen. Die Höhe war mit maximal 2,5 m angegeben und die Breite betrug 1,5 Meter. Weißenborner, die als Kinder noch im Stolln waren, bestätigen diese Angaben und sagen aus, dass sie im Stolln aufrecht gehen konnten. Mit einem Kahn soll eine Durchquerung möglich gewesen sein. Das Gefälle wurde mit 1 Zoll auf 100 Lachter Länge angegeben. Nachdem der Durchbruch geschafft war, wurde sofort die nächste Rösche vom Hüttensteig am Stangenberg nach dem Morgensterner Huthausschacht vorangetrieben. Die damalige Bergwerksadministration verfolgte noch ein weiteres Ziel. Der Gebirgsrücken unter dem Rosinenwald war damals noch nicht umfassend erkundet. Mit einem Stolln quer durch das Gestein, hoffte man auf Erzgänge zu treffen. L. R. Förster schreibt dazu:“ Man hat mit dem Wernerstolln etwa 9 Gänge überfahren, mit größtentheils nur ½ bis 3 Zoll Mächtigkeit … so daß z. B. aus dem Erz nur 27 bis 28 Pfund Kupfer- und 3 bis 3 ½ Loth Silber geliefert wurde“. Zu weiteren Untersuchungen sah man sich aufgrund der geringen Ausbeute nicht veranlasst. 1847 waren schließlich alle Stolln fertig. Wasser konnte aber noch lange nicht fließen, weil auf Weißenborner Seite weder Muldenwehr noch Graben vorhanden waren. Das Mundloch auf Weißenborner Seite existiert nicht mehr. Es wurde durch die Bergbausicherung gesprengt, um einen Zutritt zu verhindern.

Graben und Wehr unterhalb Weißenborns

In der Mitte des 19. Jahrhunderts kriselte schon bei einigen Gruben im Freiberger Revier der Bergbau. Die Grube Neue Morgenstern war davon betroffen und so stellte man vorläufig alle weiteren

 Foto: Wolfgang Göhler ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Fotos:Wolfgang Göhler

Aktivitäten am Wernergraben ein. Erst im Jahre 1850 gab das Königliche Oberbergamt Veranlassung zur Vollendung der Wernerstolln-Wasserleitung. „Ganz energisch wurden die noch fehlenden Theile der Wasserleitung in Angriff genommen“. 132 Meter unterhalb der Muldenbrücke entstanden das Wehr und ein Schützenhaus. Zu berücksichtigen war, dass zu jener Zeit noch Holz geflößt wurde und dieses auch bei wenig Wasser ungehindert über das Wehr abgehen konnte. Ein Rückstau des Muldenwassers zur „Alten Mühle“ musste ebenso verhindert werden, wie die Trifft des Holzes in den neuen Wernergraben. Parallel mit dem Wehr entstand der abgehende Graben. Lag die Stauanlage noch auf Weißenborner Flur, so zog sich die Wasserrinne linksseitig der Mulde durch Berthelsdorfer und Langenrinner Wiesengelände hin bis zu den Walkteichen unterhalb der Rosine.

 Foto: Wolfgang Göhler ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Fotos:Wolfgang Göhler

Auf einer Länge von 2260 Metern stellte der Wernergraben die Verbindung zwischen dem Muldenwehr und der Hauptrösche her. Nach Fertigstellung 1852/53 schob eine Wasserstreitigkeit die Nutzung um einige weitere Jahre hinaus. Erst nach vorläufiger Beendigung dieser Reibereien und der Klärung der „Vertheilung der Muldenwasser auf die Wernerstolln-Wasserleitung, den Morgensterner Kunstgraben, die Richter`sche Pulvermühle und die Muldner Schmelzhütten“, konnte 1860 der neue Graben endlich geflutet werden. Von dieser wassertechnischen Anlage sind nur noch wenige Reste erhalten.

Unterhalb des Grundstückes Freiberger Straße Nr. 60 (Fam. Memmel) ist die Wegeüberführung über den Graben sehr gut erhalten (Foto). Anschließend findet man auf ca. 100 Metern fast unveränderte Grabenmauern, die Zeugnis ablegen über die Größe dieser Einrichtung. Am Rand entdeckt der aufmerksame Wanderer noch einen markanten Stein mit den Chursächsischen Schwertern als Zeichen der Zugehörigkeit der gesamten Anlage zur Königlich-Sächsischen Röschen-Administration.

Wirtschaftlichkeit und Nutzung

Diese wassertechnische Einrichtung des sächsischen Bergbaues stand immer etwas im Schatten anderer bekannter Bauwerke. Als 1860 endlich der gesamte Graben/Stolln in Nutzung ging, hatten Zeit und technischer Fortschritt die Bedeutung der Wasserkraft verdrängt. Mittlerweile arbeitete auf der Grube Morgenstern-Abraham eine 80-PS Dampfmaschine, die unabhängig vom Muldenpegel ihre Arbeit verrichtete. Natürlich war die Wasserkraft immer noch billiger als die Kohle, und bis ca. 1890 wurde das Muldenwasser vorrangig genutzt. Nachfolgend verlor die Grube Morgenstern an Bedeutung. Der Wernergraben wurde immer mehr zu einer Belastung für die Revierwasserlaufanstalt (RWA). Von 1891 bis 1907 lag das Graben- und Röschensystem brach. Keiner wollte das Wasser nutzen und die ursprüngliche Holzabdeckung verschwand so nach und nach. Der Graben versumpfte und Schilf machte sich breit. 1907 übernahm die Revier-Pulverfabrik die Reparatur der Grabenwände und die Reinigung mit dem Ziel, Strom zu erzeugen. Das war aber nicht von dauerhaftem Erfolg gekrönt und ab 1907 blieb der Schützen am Wehr fast immer geschlossen.

Foto: der Wernergraben im Saugrund. Wolfgang Göhler ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Foto: der Wernergraben im Saugrund. Wolfgang Göhler ( Bergbaulehrpfad – Schmelzhütten )

Der nun offene Wernergraben stellte eine Gefahr dar. Am 04. und 19. August 1907 kam es zu zwei bedauerlichen Unfällen. Die 3½-jährige Tochter des Fabrikarbeiters Franz Richter fiel kopfüber in den Schlamm und konnte sich nicht selbst befreien. Der 8-jährige Sohn vom Kontoristen Herrmann Richter rettete das Kind. Wenig später rutschte die 5-jährige Tochter des Kupferschmiedes Dutzmann in den Graben. Der zufällig herbeigeeilte Schneidermeister Herrmann Böhme zog das Mädchen wieder heraus. Ein ungeklärter Todesfall ereignete sich am 2. Januar 1908. Der junge Rekrut Weidauer ertrank in dem nur 15 cm hohem Wasser. Ungeklärt deshalb, weil er nach dem Sturz noch fast 100 m im Graben lief und beim Rausklettern vermutlich wieder rückwärts in den Graben fiel. Der Fall beschäftigte noch wochenlang die Behörden und wurde nie aufgeklärt. Später kam es wieder zu Unglücksfällen. Am 06.Juni 1911 ertrank ein 4-jähriges Mädchen und kurz danach der 3-jährige Sohn des Fabrikarbeiters Dutzmann. Als kleiner Bub fiel Lothar Schubert zwei Mal ins tiefe Wasser am Wehr und konnte gerade noch rechtzeitig gerettet werden. Als 1918 in Neuberthelsdorf eine Typhuserkrankung ausbrach, schob man die Ursache dem Graben zu, weil er „üble Gerüche verbreitete und allerlei totes Getier gefunden wurde“. Die Anwohner nutzten vereinzelt die Rinne als illegale Mülldeponie. In den 1920er Jahren wurde er letztmalig gereinigt, aber dann verschlammte er zusehends. Gut erhaltene Grabenreste findet der Wanderer im Saugrund, in der Nähe des Radweges nach Freiberg. Dort befindet sich am Hang das verbrochene Mundloch der Rösche. Nur noch andeutungsweise ist der Eingang in den Rosinenberg zu erkennen.

Der Verfall des Wernergrabens

Die Muldner Schmelzhütten pachteten 1905 und nochmals 1926 den Graben und versuchten das Wasser zu nutzen. Viele Streitigkeiten in der Folge ließen diese historische wassertechnische Einrichtung immer mehr verfallen. Die Anlieger beschwerten sich über die „üble und stinkende Brühe“ in dem Graben. Die Revierwasserlaufanstalt (RWA) gab dafür den Anwohnern die Schuld, weil sie Hausabwässer einleiteten. Andere Hausbesitzer beklagten sich, weil ihre Keller unter Wasser standen. Der Berthelsdorfer Bürgermeister Müller und sein Weißenborner Amtskollege Keilau veranlassten die schrittweise Verfüllung ab 1932. Die Papierfabrik forderte ab 1907 mehrfach den Abriss der aus ihrer Sicht nutzlosen Wehranlage. Bei hohem Pegelstand der Mulde bestand die Gefahr des Rückstaues des Wassers zurück bis in das Fabrikgelände.

Als unglückliche Konstruktion wurde die alte Spitzbogenbrücke über der Mulde und die Nähe zum Wehr beurteilt. Die Papierfabrik bot an, sich an den Kosten für eine neue Brücke zu beteiligen (1909), falls die RWA das nutzlose Wehr abbaut. Die Behörde konterte mit dem Argument, dass das Wehr zuerst da war und die Papierfabrik danach erbaut wurde. Weitere 100 Jahre mussten vergehen, bis der Abriss erfolgte. Das Jahrhunderthochwasser von 2002 richtete an der Wehranlage beträchtliche Schäden an. Die Landestalsperrenverwaltung war jetzt gezwungen, etwas zu unternehmen. 2009 erfolgte der komplette Rückbau unter Beachtung ökologischer Gesichtspunkte. Entstanden ist eine „Riegelrampe“, die die Durchlässigkeit für Fische garantiert und gleichzeitig bei Hochwasser einen zügi-gen Ablauf der Fluten sichert. Im Sprachgebrauch wird sie einfach Fischtreppe genannt. Über 150 Jahre gehörten der Wernergraben, die Rösche und das Wehr zum festen Ortsbild unserer Gemeinde und legten Zeugnis von der engen Verbindung zum Berg- und Hüttenwesen ab.

Foto: Lutz Mitka ( Bergbaulehrpfad - Schmelzhütten )

Foto: Lutz Mitka

*1) Der Beitrag ist eine bearbeitete und gekürzte Fassung aus „Der unbekannte Bergbau“, Autor Lutz Mitka, Halsbrücke 2010, nachzulesen im Jahrbuch für den Berg- und Hütten-Mann, 1863, von L. R. Förster, „Bergwerks-Canditat“.
Letzte Aktualisierung: Dienstag, 23. Mai 2017 - 17:56:44