Die Muldenflößerei

Vom Kamme des Erzgebirges bis nach Döbeln erstreckte sich der Floßbereich. Eine erste Nachricht liegt aus dem Jahre 1438 vor. Ein Hans Münzer, der durch Bergbau reich geworden war, erlangte mit „Zutritt des damaligen Bürgermeisters“ die Rechte an der Muldenflöße bis Weißenborn. Er muss zu diesem Zwecke die im Flussbett vorhandenen Hindernisse beseitigt haben.

Dass die Hütten im Tal des Flusses angelegt wurden, erklärt sich zunächst aus der Notwendigkeit, das Wasser der Mulde für die verschiedensten Hüttenarbeiten zu verwenden, und sodann aus dem Vorhandensein der Flöße *1). Besonders im Frühjahr, mit der Schneeschmelze triftete das Stammholz aus dem oberen Erzgebirge bis zum Weißenborner Flößerplatz, um dort angelandet zu werden.

Aber erst später, kurz vor Mitte des 16. Jahrhunderts, wird die Flöße Gegenstand von vielen Urkunden und erlangte eine besondere Bedeutung. Der hoffnungsvolle Aufstieg des Freiberger Bergbaues in der Zeit um 1500, der die zweite Blüte der Stadt heraufführte, wurde von einer Sorge überschattet. Der Verbrauch an Holz und Holzkohle stieg so bedrohlich, dass Vorsorge auf lange Sicht nötig war. Die Stadt Freiberg war gezwungen, ihren Holzbedarf für das Brauen, Backen und die Hausfeuerung aus den Wäldern, die Herzog Georg gehörten, zu decken. Die Mulde war der natürliche Weg des Holzes. Ein Mitglied des Freiberger Rates beritt hierauf die Freiberger Mulde bis zur böhmischen Grenze, fand sie zum Flößen wohl geeignet und brachte dies dem gesamten Rat zur Kenntnis. Dieser wiederum gab dem Herzog Georg Nachricht, der mit Caspar von Schönberg 1534 einen Holzvertrag einging. Aber bereits 1537 verkaufte der Landesherr den Holzeinschlag mitsamt dem Recht, dieses und anderes Holz frei und ungehindert flößen zu dürfen an die Stadt. Mit dem Vertrag von 1537 verpflichtete sich der Rat dem Herrn v. Hartitzsch zu Weißenborn jährlich 12 Gulden zu entrichten. *2)

Die weitere Bedeutung der Muldenflößerei lässt sich daran erkennen, dass 1629 der Kurfürst mit der Stadt Freiberg verhandelte und nach 87 Jahren die Rechte an der Flößerei wieder zurückkaufte – incl. des „Wasserzinses“ an die Herren v. Hartitzsch. Das war zugleich der Auftakt zu einer vollständigen Neuorientierung im Flößen auf der Freiberger Mulde. Denn 1629 wurde das schon lange geplante Projekt der „Neugrabenflöße“, von der Flöha über Cämmerswalde und Clausnitz bis in die Mulde realisiert. Damit konnten auch die entfernteren böhmischen Holzgebiete erschlossen werden und die Stadt Freiberg mit ihren Hütten mit den so dringend erforderlichen Brenn- und Nutzhölzern versorgt werden.*3)

Über Wert und Nützlichkeit der Flöße lesen wir in Möllers Chronik:

„Die Mulda… ist der Stadt sehr nützlich…wegen des Flößholzes, welches man auf dem Strome der Mulden der Stadt von obern Gebirge zuführet und hernach bei den untern Schmelzhütten in gewissen Schragen aufsetzet. Für diesen zwar ist diese Flöße nur bis ans Dorf Weißenborn gegangen, … aber Anno 1569 hat man durch einen besonderen Floßgraben derselben fortgeholfen, und die jetzigen Flöße bis an gedachte untere Schmelzhütte angerichtet, auch deswegen eine neue, steinerne Brücke über die Mulda gebauet.“*4)

Der Weißenborner Floßplatz verlor so nach und nach an Bedeutung. Die Schmelzhütten unterhalb von Weißenborn waren bereits geschlossen und die Verhüttung der Erze konzentrierte sich auf das aufstrebende Muldenhütten. Da der Weg des Holzes bis Freiberg und den neuen Hütten auf Achsen zu weit war, entstand 1569/70 ein besonderer Graben bis Muldenhütten und der Weißenborner Floßplatz wurde schon teilweise aufgelassen. Der abgehende Graben von der Mulde diente anschließend der Wasserversorgung der „Alten Mühle“. Aus den Flößerdörfern Hozhau, Rechenberg, Clausnitz und Mulda liegen Berichte vor, die auch auf Weißenborn schließen lassen. Flößermeister aus der Stadt Freiberg überwachten die Abläufe entlang des Flusses. Das Holz zu Gange brachten die Bauern und die Landleute. Damit ist es wahrscheinlich, dass es auch in Weißenborn keine eigenständige Berufsgruppe der Flößer gegeben hat.

Für die hiesigen Bauern war die Flößerei und der Holztransport im Frühjahr ein willkommenes Zubrot. In Anbetracht der Tatsache, dass 1534 die Flößrechte und das Holz für 3.000 Gulden verkauft wurden, nehmen sich die 12 Gulden Wasserzins für die Herren von Hartitzsch recht bescheiden aus und unterstreichen die eher geringe Bedeutung der Muldenflößerei auf die wirtschaftliche Entwicklung von Weißenborn.

Im Frühjahr 1874 wurde das letztemal geflößt. Schon 1820 verbrauchten die Hütten 40.000 Zentner Steinkohlen. Die 1875 eröffnete Bahnlinie bis Mulda und spätere Verlängerung nach Brüx und Dux mit Anbindung an das böhmische Braunkohlebecken machten die Holzflößerei überflüssig.

*1) Wilsdorf/Herrmann/Löffer, „Bergbau – Wald – Flöße“. Akademie Verlag Berlin 1960, S.186
*2) Wilsdorf/Herrmann/Löffer, „Bergbau – Wald – Flöße“. Akademie Verlag Berlin 1960, S.230/231/232
*3) Wilsdorf/Herrmann/Löffer, „Bergbau – Wald – Flöße“. Akademie Verlag Berlin 1960, S.254/255
*4) Wilsdorf/Herrmann/Löffer, „Bergbau – Wald – Flöße“. Akademie Verlag Berlin 1960, S.189

Kunstgräben

Als Kunstgraben werden Wassergräben bezeichnet, über die Bergwerke mit Wasser zum Antrieb von Wasserrädern versorgt wurden. Wenn der Kunstgraben unterirdisch weiterverläuft, spricht man von einer Rösche.

Bis zur Erfindung der Dampfmaschine war die Wasserkraft die Hauptantriebsenergie für die unterschiedlichen Antriebsmaschinen im Bergbau, wie z. B. Kunsträder oder Kehrräder. Auf Weißenborner Flur sind noch die folgenden Kunstgräben teilweise vorhanden. Drei Kunstgräben verlaufen zwischen Mulde und Huthaus der Grube Himmelsfürst samt Günther Erbstolln.

Der untere Kunstgraben muss in der Nähe des ehemaligen Wehres für den Wernergraben begonnen haben und führt entlang des Waldrandes bis in die Nähe der Wiesen vor dem Sprengstoffwerk. Der Graben ist teilweise in den Fels gehauen. Der mittlere Graben ist nur wenige 100 m lang und endet dann im unteren Graben. Der obere Graben muss seinen Anfang im unteren Ortsteil von Weißenborn genommen haben und führt bis zu den Gruben oberhalb der Pulvermühle.

Möglicherweise wurde das Wasser aller durch Weißenborn fließender Bäche in diesem Kunstgraben gesammelt. Der ehemalige alte Hammer hat dessen Wasser ebenfalls genutzt. Dieser Graben ist im Waldgelände noch sehr gut erkennbar.

Am Standort dieser Tafel (N50° 53.375′ E13° 23.395′) kreuzt der obere Kunstgraben den Forstweg und ist noch rechts und links des Weges als Senke erkennbar. Der bekannteste und jüngste Kunstgraben ist der Wernergraben (1827-1860 erbaut) oder auch Wernerstolln genannt. Der Wernergraben begann unterhalb der Weißenborner Muldenbrücke und ist teilweise noch gut erkennbar. Die 900 m lange Rösche (N50° 53.508′ E13° 22.885′), die am Saugrundweg beginnt (oberes Mundloch ist nicht mehr vorhanden), führte Muldenwasser bis zur Grube Morgenstern am linksseitigen Muldenufer gegenüber von Muldenhütten.

Vor dem Bau des Wernergrabens bezog die Grube Morgenstern ihr Aufschlagwasser über den Alten Morgensterner Kunstgraben. Dieser zweigte ebenfalls Muldenwasser ab. Der Anfang dieses Grabens ist noch sehr gut oberhalb der Muldenbrücke am Saugrundweg erkennbar.

„Textauszug aus der Weißenborner Chronik von 1963 ; Ergänzungen von L. Richter“

Wassertechnische Anlagen

Mit dem weiteren Eindringen in die Tiefe traten teilweise massive Probleme mit dem Grundwasser auf. Dabei war Wasser von jeher ein wichtiges Hilfsmittel, dessen sich die Bergleute bedienten.

Wassertechnische Projekte entstanden in der Folgezeit des mittelalterlichen Bergbaues. So führten später die Stolln nicht nur das Grundwasser, sondern auch das Oberflächenwasser, welches als Aufschlagwasser für verschiedene Wasserräder diente. Es wurden Kunstgräben angelegt und tunnelartige Röschen durch den Fels geschlagen. Künstliche Teiche entstanden und dienten als Reservoir. Durch all diese Maßnahmen war es möglich, weiter in die Tiefe vorzudringen und neue Lagerstätten abzubauen. Zeugnisse dieser Wasserkunst verliefen entlang des Forstweges von der Mulde ausgehend in drei übereinander liegende Gräben. Diese lieferten den an der Mulde liegenden Bergwerken das Betriebswasser für die Wasserhebungsmaschinen, die sogenannten Künste.

Hier in Weißenborn wird ihr Wasser außerdem vom alten Hammer mit benutzt worden sein. Der oberste dieser Gräben ist fast restlos bis an die alten Gruben gegenüber der ehemaligen Richterschen Pulvermühle zu verfolgen. Unterhalb des „Rosinenhäuschens“ liegt ein Hüttenteich. Früher waren hier sogar vier Teiche als Wasserreservoir angelegt worden.

Unweit davon befindet sich das Röschenmundloch des „Werner Stolln“. In den Schächten im „Morgensterner“ Grubenfeld waren damals und zuvor auch Wasserräder installiert. Da das Grubenfeld weit abseits des Freiberger Grabensystems lag, hatte man 1827 bis 1855 für die Grube einen eigenen Kunstgraben angelegt. Dieser zweigte bei Weißenborn von der Mulde ab, führte zunächst an der Freiberger Straße entlang, wo er durch die Begrenzung der Gartenparzellen noch erkennbar ist, verlief dann, teilweise überwölbt, an den Südrand des Rosinenwäldchens.
Eine als „Wernerstolln“ bezeichnete, 1827 bis 1839 gebaute, etwa 900 m lange Rösche führte das Wasser unter dem Wald hindurch bis an den von der Frauensteiner Straße nach Muldenhütten führenden Fahrweg. An diesem ist das unter Mundloch des Wernerstollns erhalten, wogegen das obere Mundloch heute verfallen und verschüttet ist. Das dazugehörige Wehr unterhalb der Muldenbrücke wurde erst 1852/53 angelegt.

Vom unteren Mundloch des Wernerstollns lief das Wasser abwechselnd durch Gräben und Röschen am Hang entlang und passierte dabei mehrere Mundlöcher, ehe es in die eigentliche Aufschlagrösche zum Morgenstern eintrat. Mehrere Mundlöcher dieser Röschen am Stangenberg sind in dem bewaldeten unwegsamen Gelände noch erkennbar.
Der Wernerstolln hat seinen Namen nach dem bekannten Mineralogen und Geologen Abraham Gottlob Werner erhalten, der als Bergkommissionsrat im Oberbergamt für Fragen der bergmännischen Wasserwirtschaft zuständig war und auch die Anregung zu dieser Anlage gegeben hat.*1)

Der Wernergraben wurde im Rahmen des Unesco-Welterbeprojektes Montanregion Erzgebirge in die Geoinformationsgeststütze Datenbank MontE, zur Erfassung von unter Denkmal-, Landschafts- und Naturschutz stehenden Objekten, aufgenommen.

Künstliche Teichanlagen befanden sich auch entlang des Schieferbaches. Am Oberlauf des Wassers befindet sich der „Schöpsenteich“, der als „Zinnteich“ in alten bergamtlichen Rissen verzeichnet ist. Sein Name deutet auf den ehemals betriebenen Zinnbergbau hin. Unterhalb des Teichdammes hat um 1652 ein Pochwerk mit einer Erzwäsche gestanden. Davon ist heute nichts mehr zu sehen. Das Vorhandensein dieser Erzaufbereitungsstätte beweist, dass der Schieferbach früher bedeutend mehr Wasser führte. Am Unterlauf des Bächleins, auf Höhe des Heuweges, sind die Überreste eines alten Bergwerkteiches zu erkennen. Vor diesem führte ein Kunstgraben zu dem Mundloch des „Wolfgang Stehenden“. Der Teich könnte aber auch zu einer Hütte gehört haben. Nicht vernachlässigt werden darf die Rolle der Freiberger Mulde als Transportmittel für das dringend notwendige Scheitholz. Die Erzschmelzhütten im Freiberger Raum wurden mit Holz aus dem oberen Erzgebirge versorgt und Weißenborn war eine Endstelle der Muldenflößerei.

Ein Hans Münzer erwarb 1438 die Rechte an einem Graben „uferwärts“ der Mulde in Weißenborn, wo mit Ziehstangen das Holz gefasst und angelandet wurde. Vermutlich diente dieser Graben gleichzeitig der Wasserversorgung der „Alten Mühle“ und damit kann dieser Flößerplatz dem Gelände des heutigen Sport- und Freizeitzentrums zugeordnet werden. Das letzte Treibholz wurde 1873 aus dem böhmischen Teil des Erzgebirges über den Kunstgraben von der Flöha über Cämmerswalde und Clausnitz der Freiberger Mulde zugeführt.

*1) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 214, 215
Letzte Aktualisierung: Dienstag, 23. Mai 2017 - 12:35:10