Das ehemalige Huthaus

Ein Hüttensteig durchzog einst das Gelände und war der Arbeitsweg für die Weißenborner, Süßenbacher und Oberbobritzscher Bergleute und Hüttenarbeiter.
Jeder Spaziergänger, der schon einmal den Forstweg entlang in Richtung Wald gewandert ist, wird sich über das einsam gelegene Wohnhaus Nr. 22 gewundert haben. Die in der Nähe angebrachte Holztafel gibt darüber Auskunft, dass es sich um das ehemalige Huthaus der bedeutenden Grube „Himmelsfürst samt Günter Erbstolln“ handelt. Wann das Haus erbaut wurde ist nicht bekannt. Die Grube selbst wird 1682 erstmals erwähnt. Außer dem Huthaus war ehemals eine Bergschmiede vorhanden. Es ist das einzige noch in Weißenborn erhaltene Gebäude dieser Art und kündet vom Bergbau vergangener Jahrhunderte. Zum gemeinschaftlichen Gebet versammelte sich das Bergvolk in der Betstube des Huthauses, das neben einem Magazin für das Gezäh (Werkzeug des Bergmannes) auch noch eine Wohnung für den Hutmann oder den Steiger enthielt.
Zum bedeutendsten Weißenborner Bergwerk gehörten zwei Pochwäschen und eine Schmelzhütte. Es waren zwei Stolln aufgefahren (der obere und der tiefe Stolln) und mehrere Schächte vorhanden. Die Länge des tiefen Stollns betrug knapp 800 m. Die Grube lieferte insgesamt 1376 kg Silber, mindestens 17000 kg Blei und wenigstens 2800 kg Kupfer. Ihre Blütezeit war im 18. Jahrhundert. 1852 verfuhr man hier und in der Grube Himmlischer Erzbischoff die letzte Schicht. Die oberflächennahen Erzmittel waren abgebaut. Hinter dem Huthaus sind Halden geschüttet. Rings um dieses historische Gebäude befinden sich weitere Zeugnisse des früheren Bergbaues im sogenannten Hüttenwald. Schon der Name verrät, dass es sich hier um ein Gebiet mit vielen, heute verfallenen Stolln, Mund- und Lichtlöchern, Einschnitten und Einbrüchen handelt und nur der Fachmann kann diese als Zeitzeugen des historischen Bergbaues erkennen. Ganze Waldstücke wurden regelrecht aufgegraben um fündig zu werden. Ca. 3000…4000 Bergbauanlagen hat es zeitweilig hier in dieser Region gegeben. Nur die bedeutendsten sind heute noch in den Bergarchiven erwähnt und dokumentiert.

Autorenkollektiv, „850 Jahre Weißenborn“, Herausgeber Gemeinde Weißenborn, 2012

Günther Tageschacht

Wir befinden uns am Hauptschacht der Grube Himmelsfürst samt Günther Erbstolln (1682-1852). Über dem Schacht befand sich eine Kaue (kleineres Holzgebäude) mit Haspel. Die Grube wird 1682 das erste Mal erwähnt. Außer dem Huthaus war ehemals noch eine Bergschmiede vorhanden. Zur Grube gehörten zwei Pochwäschen und eine Schmelzhütte. Es waren zwei Stollen aufgefahren (der obere und der tiefe Stollen) und mehrere Schächte vorhanden. Die Länge des tiefen Stollens betrug knapp 800 m. Die Grube lieferte insgesamt 1.376 kg Silber, mindestens 17.000 kg Blei und wenigstens 2.800 kg Kupfer. Ihre Blütezeit war im 18. Jahrhundert. Seit 1852 ruht jeglicher Betrieb. Erhalten ist das Huthaus am Forstweg (das einzige Huthaus in Weißenborn), dazu die Halde hinter dem Huthaus mit dem verbrochenen Mundloch des oberen Stollens, einige Pingen, die bis zum Günther Tageschacht am Waldrand oberhalb des Huthauses führen und Pingen im gegenüberliegenden Hüttenwald. Neben dem Günther Tageschacht waren noch ein Tageschacht auf der Wiese vor dem Hüttenwald und ein weiterer zwischen Huthaus und Günther Tagschacht vorhanden. Der Günther Tageschacht hatte eine Tiefe von knapp 30 m und war etwas schräg angelegt. Er reichte bis zur oberen Stollensohle. Auf dieser war der ebenfalls etwa 30 m tiefe Joel–Schacht bis zur nächsten Sohle, dem tiefen Stollen, angesetzt. Von hier aus wurde der Erzgang „Gott mit uns Stehender“ aufgefahren, und zwar sowohl nach SW als nach NO unter das Feld hindurch bis hinüber in den Hüttenwald. Das Mundloch des tiefen Stollns befand sich unterhalb des Forstweges, dort wo jetzt noch das Stollenwasser in einem Brunnenhäuschen gewonnen wird. Die Schürfgräben in den Halden stammen aus der Nachkriegszeit, als von der SDAG Wismut nach Uranerz gesucht wurde.

 „Textauszug aus der Weißenborner Chronik von 1963 ;  Ergänzungen von L. Richter“

Friedrich Erbstollen im Rammelsberg

Als 1853 der gesamte Feldbesitz zwischen Weißenborn, Hilbersdorf und Niederbobritzsch zusammengelegt wurde, übertrug sich dieser Name auf das vereinigte Grubenfeld als „Friedrich Erbstolln im Rammelsberg“. Erhalten ist bis heute der Friedrichweg auf Hilbersdorfer Flur und als sichtbares Zeichen des Bergbaues der Überrest des „Theodor Richtschachtes“. Eine angebrachte Tafel berichtet darüber. Richtschächte sind außerhalb der Erzgänge geteufte Schächte zur Versorgung bzw., zum Austrag von Gestein aus dem Stolln. Dieser 1856 schon 215 m tiefe Schacht der Grube „Friedrich Erbstolln“ erhielt im genannten Jahr eine Dampfförderanlage. Von 1843-1893 wurden hier 8023 kg Silber neben größeren Mengen von Zinn und Kupfer gefördert. Eine weitere Anzahl im Wald verborgener Pingen und Schachthalden weisen auf die frühere Bedeutung dieses Revieres hin. Sogar eine eigene Hütte für die Gruben auf dem Rammelsberg ist auf dem rechten Muldenufer im 16. Jh. nachgewiesen. In einem Bericht aus dem Jahre 1853 werden für den „Friedrich Erbstolln im Rammelsberg“ folgende Einträge gemeldet:

Geförderte Erze

[Zentner]
Gewonnenes Silber

[Zentner]
Gewonnenes Blei

[Zentner]
Gewonnenes Kupfer

[Zentner]
828,900 29,960 206,955 24,868

 

Weiterhin wurden Arsen und Zinkblende gefördert, die damals aber noch nicht verwendet wurden. Eine der ergiebigsten Gruben war u. a. die „König Johann Fundgrube im Rammelsberg“. Hier war wahrscheinlich auch der Ursprung des hiesigen Bergbaues.

Autorenkollektiv, „850 Jahre Weißenborn“, Herausgeber Gemeinde Weißenborn, 2012
Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 19. Oktober 2016 - 18:22:13