Bergbau am Rammelsberg

Nach der ersten Hauptperiode des Freiberger Bergbaus (12.-13. Jahrhundert) verlief die Entwicklung langsamer als im südlichen Erzgebirge. Hier waren keine sensationellen Silberfunde mehr zu machen, die reichen Erze der Oxydationszone waren erschöpft. Ein neuer Aufschwung war nur von einer technisch besseren Nutzung der ärmeren Erze und vom Aufschluss und Abbau tieferer Bereiche der Erzgänge zu erwarten.

Seit wann der Bergbau auf unserer Flur genau umging ist unbekannt.
Erst 1477 erwähnen verschiedene Schriften die ersten Silberlieferungen vom Rammelsberg und den umliegenden Gruben, einem Gebiet oberhalb von Muldenhütten zwischen Hilbersdorf und Weißenborn.
Der Rammelsberg zählte zweifellos zu den ergiebigsten Grubenfeldern zwischen Weißenborn und Hilbersdorf. Der heute nicht mehr gebräuchliche Name kann damit erklärt werden, dass sich in diesem Gebiet zahlreiche Erzgänge sich „rammelten“, d. h., sich kreuzten und aufeinander stießen.
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der an Goslar erinnernde Flurname von niedersächsischen Bergleuten übertragen worden ist.
Vor allem im 16. Jahrhundert bestanden im Rammelsberg zahlreiche Gruben, die neben Kupfer und Zinn auch bemerkenswerte Mengen an Silber geliefert haben; so an der Schieferleithe St. Anna 1510 bis 1601 1278kg und Wasserschacht Fundgrube 1544 bis 1600 1326 kg, sowie St. Christoph 1524 bis 1601 469 kg.
Heute finden wir in den dortigen Wäldern zahlreiche Bingen und Halden als Zeugen des Bergbaus, die uns jene Periode am originalen Standort, in diesem etwas abgelegenen Teil des Freiberger Reviers, nachempfinden lassen.

Unmittelbar nach den ersten Gruben entstanden auch die ersten Schmelzhütten. Ursprünglich war das Ausschmelzen und Umschmelzen des Silbers technisch so einfach, dass man dazu wohl nur kleine Hütten mit primitiver technischer Ausstattung unmittelbar neben den Gruben errichtete.
Auf der ersten Chursächsischen Landesaufnahme (1586-1633) finden sich im unseren Bereich der Freiberger Mulde zahlreiche Hüttenstandorte.
In der Nähe der heutigen Muldenbrücke Stand die 1550 erstmals erwähnte Röhlings Hütte. Genauere Informationen zu Gründung, Größe etc. gibt es nicht. Ihr Standort wurde auf der Karte mit „ein Hütt gestanden“ vermerkt, ein Hinweis dass sie zum Zeitpunkt der Kartierung schon nicht mehr betrieben wurde.
Im 14. bis 17. Jahrhundert, also gegen Ende der ersten und in der zweiten Hauptperiode des Freiberger Bergbaus, wurden Schmelzhütten – oder richtiger die Standorte zum Bau von Hütten – dem noch herrschenden Lehnsystem gemäß mit Privilegien des Landesherren verliehen.

Zur Verhüttung der neuen ärmeren Erze benötigte man leistungsfähigere Öfen und Gebläse. Für letztere war der Antrieb mit Wasserrädern erforderlich.
Die Erze aus dem Erdinneren hatten noch keinen Wert, nur mit Hilfe des Hüttenmannes konnten die darin enthaltenen Metalle rein dargestellt werden.
Der Hüttenmann übernahm die Aufgabe, die mechanisch gereinigten, gepochten Erze nach den darin enthaltenen Metallen durch Feuer zu scheiden. So entstanden auch in unserem Bergrevier kleinere Schmelzhütten, die nie an die Bedeutung der Freiberger und Muldenhüttener Schmelzöfen heranreichten.
Unterhalb der Rosine, linksseitig der Mulde steht ein einsames Häuschen. Es steht auf einer Schlackenhalde, die jetzt mit Mutterboden überdeckt ist. Bei genauerem Hinschauen sieht man jedoch noch überall Schlackensteine. Diese stammen von der „Hütte des kleinen Erzkaufs“, die auch den Namen „Teichhütte“ führte. Sie wurde 1583 gegründet und war bis 1710 in Betrieb. In ihr wurden in erster Linie arme Erze ausgeschmolzen. Das eben erwähnte Gebäude dürfte aber erst 1789 von der Tuchmacherinnung gebaut worden sein. Diese hatte hier eine Zeit lang eine Tuchwalke errichtet und benutzt dafür das Teich- oder Muldenwasser.
In der Muldenaue unterhalb des Rosinenhäuschens ist außerdem eine Zinnhütte betrieben worden. Ihr Standort ist jedoch nicht mehr zu ermitteln. Sie war ein unbedeutendes Unternehmen, wurde 1700 errichtet und schmolz bis 1707 nur wenige Zentner aus.

Ein Hüttensteig durchzog einst das Gelände und war der Arbeitsweg für die Weißenborner, Süßenbacher und Oberbobritzscher Bergleute und Hüttenarbeiter.
Jeder Spaziergänger, der schon einmal den Forstweg entlang in Richtung Wald gewandert ist, wird sich über das einsam gelegene Wohnhaus Nr. 22 gewundert haben. Die in der Nähe angebrachte Holztafel gibt darüber Auskunft, dass es sich um das ehemalige Huthaus der bedeutenden Grube „Himmelsfürst samt Günter Erbstolln“ handelt. Wann das Haus erbaut wurde ist nicht bekannt. Die Grube selbst wird 1682 erstmals erwähnt. Außer dem Huthaus war ehemals eine Bergschmiede vorhanden. Es ist das einzige noch in Weißenborn erhaltene Gebäude dieser Art und kündet vom Bergbau vergangener Jahrhunderte. Zum gemeinschaftlichen Gebet versammelte sich das Bergvolk in der Betstube des Huthauses, das neben einem Magazin für das Gezäh (Werkzeug des Bergmannes) auch noch eine Wohnung für den Hutmann oder den Steiger enthielt.
Zum bedeutendsten Weißenborner Bergwerk gehörten zwei Pochwäschen und eine Schmelzhütte. Es waren zwei Stolln aufgefahren (der obere und der tiefe Stolln) und mehrere Schächte vorhanden. Die Länge des tiefen Stollns betrug knapp 800 m. Die Grube lieferte insgesamt 1376 kg Silber, mindestens 17000 kg Blei und wenigstens 2800 kg Kupfer. Ihre Blütezeit war im 18. Jahrhundert. 1852 verfuhr man hier und in der Grube Himmlischer Erzbischoff die letzte Schicht. Die oberflächennahen Erzmittel waren abgebaut. Hinter dem Huthaus sind Halden geschüttet. Rings um dieses historische Gebäude befinden sich weitere Zeugnisse des früheren Bergbaues im sogenannten Hüttenwald. Schon der Name verrät, dass es sich hier um ein Gebiet mit vielen, heute verfallenen Stolln, Mund- und Lichtlöchern, Einschnitten und Einbrüchen handelt und nur der Fachmann kann diese als Zeitzeugen des historischen Bergbaues erkennen. Ganze Waldstücke wurden regelrecht aufgegraben um fündig zu werden. Ca. 3000…4000 Bergbauanlagen hat es zeitweilig hier in dieser Region gegeben. Nur die bedeutendsten sind heute noch in den Bergarchiven erwähnt und dokumentiert.

Als 1853 der gesamte Feldbesitz zwischen Weißenborn, Hilbersdorf und Niederbobritzsch zusammengelegt wurde, übertrug sich dieser Name auf das vereinigte Grubenfeld als „Friedrich Erbstolln im Rammelsberg“. Erhalten ist bis heute der Friedrichweg auf Hilbersdorfer Flur und als sichtbares Zeichen des Bergbaues der Überrest des „Theodor Richtschachtes“. Eine angebrachte Tafel berichtet darüber. Richtschächte sind außerhalb der Erzgänge geteufte Schächte zur Versorgung bzw., zum Austrag von Gestein aus den Stolln. Dieser 1856 schon 215 m tiefe Schacht der Grube „Friedrich Erbstolln“ erhielt im genannten Jahr eine Dampfförderanlage. Von 1843-1893 wurden hier 8023 kg Silber neben größeren Mengen von Zinn und Kupfer gefördert. Eine weitere Anzahl im Wald verborgener Pingen und Schachthalden weisen auf die frühere Bedeutung dieses Revieres hin. Sogar eine eigene Hütte für die Gruben auf dem Rammelsberg ist auf dem rechten Muldenufer im 16. Jh. nachgewiesen. In einem Bericht aus dem Jahre 1853 werden für den „Friedrich Erbstolln im Rammelsberg“ folgende Einträge gemeldet:

 

Geförderte Erze
[Zentner]
Gewonnenes Silber [Zentner] Gewonnenes Blei [Zentner] Gewonnenes Kupfer [Zentner]
828,900 29,960 206,955 24,868

 

Weiterhin wurden Arsen und Zinkblende gefördert, die damals aber noch nicht verwendet wurden. Eine der ergiebigsten Gruben war u. a. die „König Johann Fundgrube im Rammelsberg“. Hier war wahrscheinlich auch der Ursprung des hiesigen Bergbaues.

1) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 122
2) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 118
3) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 134
4) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 122
5) Autorenkollektiv Ltg. Wagenbreth O., Wächtler E.: Der Freiberger Bergbau – Technische Denkmale und Geschichte. Leipzig: VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, 1985. S. 75
6) ebenda
7) ebenda

Verbrochenes Mundloch

An dieser Stelle ist eine Senke im Geländeprofil erkennbar die kurz vor dem Rotwiesenweg endet. Dort befand sich ein Mundloch, dass später zugeschüttet (verbrochen) wurde. Vom alten Bergwerksteich führte ein Kunstgraben zu diesem Mundloch und von dort weiter als Rösche in den Berg hinein. Das Wasser wurde zum Antreiben von Wasserrädern benötigt. Dieser Stolln war auf dem Erzgang „Auf dem Wolfgang Stehenden“ angesetzt. Dieser Erzgang zog sich von der Grube St. Anna weiter in Richtung Rotwiesenweg bis zur Grube Friedrich Erbstolln im Rammelsberg am Friedrichweg auf Hilbersdorfer Flur. Vom Schieferbach aus in Richtung Hilbersdorf sind im Wald ebenfalls viele alte Pingen vorhanden, die wahrscheinlich zu den Lungenberg-Schächten gehörten. Der Rammelsberg liegt zwischen dem Schieferbach im Süden und Hilbersdorf im Norden. Im Westen wird er durch die Mulde und im Osten durch das Bobritzschtal begrenzt. Der Name kann damit erklärt werden, dass die in diesem Gebiet zahlreich vorhandenen Erzgänge sich „rammelten“, d. h. aufeinanderstießen und sich kreuzten. Eine weitere Erklärung für die Namensgebung soll nach dem gleichnamigen Berg im Harzer Bergbaurevier von zugewanderten Bergleuten aus dem Harz benannt worden sein.

„Textauszug aus der Weißenborner Chronik von 1963 ;  Ergänzungen von L. Richter“
Letzte Aktualisierung: Dienstag, 23. Mai 2017 - 17:52:04