Andreas Alnpeckscher bzw. Weißtaubner Stolln

Ein Stollen – im sächsischen Raum (Erzgebirge) vor allem in Eigennamen und traditionell auch Stolln geschrieben – ist ein von der Erdoberfläche aus grundsätzlich waagerecht oder leicht ansteigend in einen Berg oder Hügel getriebener unterirdischer Gang, der eine Verbindung zu einer Grube herstellt. Die Hauptfunktion bestand im Abführen von anfallenden Grundwässern und um Frischluft in das Bergwerk zuzuführen. Die meisten Stollenmundlöcher sind deshalb in unmittelbarer Nähe von Flüssen oder Bächen anzutreffen. Das Mundloch des Alnpeckschen Stollns war in der Nähe des Muldenufers angesetzt und befindet sich jenseits des Zaunes im Betriebsgelände des Sprengstoffwerkes (N50° 53.368′ E13° 23.615′). Das austretende Stollenwasser wird heute noch genutzt. Der Stollen war nach Osten ins Gebirge getrieben. Sein Verlauf ist an den zahlreichen Einbrüchen und Halden noch sicher zu verfolgen. Der weitere Wanderweg führt an diesen Einbrüchen und Halden vorbei. Allein hier waren in kurzen Abständen 4 Schächte angelegt. An den Alnpeckschen Stolln schloss sich die Grube St. Anna an. Da später das gesamte Grubenfeld an die Weiße Taube Fundgrube erneut verliehen wurde, erhielt der Alnpecksche Stolln die Bezeichnung Weißtaubner Stolln. 1770 war er noch offen und befahrbar, 1853 jedoch nicht mehr. Die Alnpecks waren ein Freiberger Patriziergeschlecht, das in Langenrinne begütert war. Ihre Besitzungen reichten bis an die Mulde. Andreas Alnpeck wurde 1521 Ratsherr in Freiberg und gelangte 1525 zur Bürgermeisterwürde, die er dreizehn Mal bis 1553 bekleidete. Außerdem war er von 1546 bis 1556 Münzmeister. Zwischen dem Hüttensteig und dem linken Weg (Reitweg) ist eine Schlucht erkennbar, die sich bis zum Buchenweg hinzieht. Oberhalb des Buchenweges sind noch die Reste eines Teiches zufinden. Eine Erklärung für das Entstehen dieser Schlucht könnte wie folgt sein:
Seifenbergbau

Das älteste Erzabbauverfahren im Erzgebirge ist der Seifenbergbau. Dabei wurde erzhaltiges Erdreich in ein fließendes Gewässer verbracht. Durch Absenken der Fließgeschwindigkeit mittels Astwerk, Kaskaden oder einer Balkenkonstruktion im Bach, setzten sich die schweren Erzgraupen auf dem Grund des Baches ab. Das taube Gestein und die Erde flossen weiter oder wurden ans Ufer geschaufelt. Es entstanden daraus längliche Erdwälle so genannte Raithalden. Georgius Agricola stellte in seinem Buch „De re metallica“ den Seifenbergbau dar (Abbildung).
Seifen bezeichnen in der Geologie und in der Lagerstättenkunde sekundäre Mineralanreicherungen in Sedimenten wie Sand oder Kies, in denen sich mineralhaltige Körner entsprechend ihrem spezifischen Gewicht durch mechanische Strömungen sortiert, konzentriert und dann abgelagert haben.

„Textauszug aus der Weißenborner Chronik von 1963 ; Ergänzungen von L. Richter“

1)Bewertung des Weißenborner Bergbaues

Silberhaltige Bleierze und edle Silbererze waren von jeher die bergmännisch wichtigsten Naturereignisse. Die frühe Existenz der Röhlingshütte lässt zudem neben dem Rammelsberg und der Schieferleithe auch einen oberflächennahen Bergbau im Bereich des Unterdorfes vermuten. Neben der Landwirtschaft bestimmte aber der Bergbau über Jahrhunderte die Geschicke unseres Ortes und noch heute künden Wege- und Ortsbezeichnungen von den damaligen Gruben und Hüttenwerken.
Das 16. Jahrhundert, war die Blütezeit des hiesigen Bergbaues. Kriegs- und Notzeiten (z.B., der Dreißigjährige Krieg, 1618 – 1648) brachten den Bergbau fast zum Erliegen. Verglichen mit dem übrigen Bergbau in und um Freiberg war derjenige von Weißenborn bescheiden. Darüber kann auch die verhältnismäßig große Anzahl der ehemals vorhandenen Schächte nicht hinwegtäusche. Diese waren oft recht klein. So hatte eine „Fundgrube“ nur eine Länge von etwa 84 m und eine Breite von 14 m. Wie viele Bergwerke in Weißenborn bestanden, kann mit Bestimmtheit nicht gesagt werden. Namentlich sind 38 bekannt. Zu erwähnen sei, dass es in Weißenborn selbst kaum Bergleute gegeben hat. Der überwiegende Teil der männlichen Bevölkerung war, laut Kirchenbuch, neben Bauern als Hüttenarbeiter, -schmelzer und -wächter tätig. In der Eckhardtschen Chronik wird berichtet, dass 1850 gesamt 37 „meist junge Leuthe“ in den Hütten arbeiteten. Manche Kleinbauern betrieben diese Tätigkeit im Nebenerwerb und verloren dieses Zubrot in den folgenden Jahren.
Nachdem Deutschland 1873 die Währung umstellte auf die Goldmark, sank die Bedeutung des Silbers immer mehr und der Silberbergbau wurde praktisch bedeutungslos. Im Weißenborner Revier waren zu dieser Zeit schon viele kleine Gruben auflässig und Mitte des 19. Jahrhunderts kam der Bergbau hier bei uns endgültig zum Erliegen.Die 1871 gegründete Papierfabrik stellte die durch den Bergbau frei gewordenen Leute ein und sicherte für diese Arbeit, Lohn und Brot. Heute erinnern nur Orts- und Wegebezeichnungen noch an die aktive Zeit des Berg- und Hüttenwesen und nur wenige Denkmale sind erhalten. Von Freiberg aus zieht sich ein 23 km langer Porphyrgang durch unser Gebiet bis nach Frauenstein.
Vielleicht ist hier die jahrhundertealte Mähr von dem geheimnisvollen, unterirdischen Gang nach Frauenstein mit entstanden.

Glück Auf!

1) Autorenkollektiv, „850 Jahre Weißenborn“, Herausgeber Gemeinde Weißenborn, 2012

 

Letzte Aktualisierung: Dienstag, 23. Mai 2017 - 17:42:44